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Schwiegertochter gesucht

Von bfrenkel am 9 Mai 2010     

Heute kam auf RTL eine Folge von “Schwiegertochter gesucht”. Darin kamen unter anderen vor: Monika und Klaus. Monika ist schwer adipös, Mitglied einer Freikirche und, als wäre dies nicht schon schlimm genug, mit einer Fistelstimme verflucht.  Klaus dagegen ist arbeitsloser Frührentner.

Es hat alles gut begonnen:Monika sang mit der Gitarre ein kreuzfalsches Lied während Klaus verliebt mitbrummte. Und als Monika im Kinderbett eine leidlich gute Schlafstellung fand, überraschte sie Klaus mit einem romantischen Teelicht.

Das junge Glück fand am nächsten Morgen aber gleich ein unerwartetes Ende. Klaus hatte der Monika nämlich eine Bibel geschenkt (mit Goldeinband). Monika zeigte sich aber pikiert. Erstens hat die Gläubige bereits eine Bibel und zweitens liest sie nur aus der Elberfelder Senfkornbibel. Die Werkausgabe von Klaus war aber eine katholische. Monika bedankte sich zwar artig bei Klaus, konnte ihre Enttäuschung aber nicht gut verbergen. Und Klaus? Klaus weinte! Nicht viel später machte er dann Schluss mit ihr usw. usf.

Mir hat diese Sendung überhaupt nicht gut gefallen. Es wurden zwei Menschen, die offenkundig geistig minderbemittelt sind, verhöhnt. Mit maliziösen Kommentaren wurden sie fertig gemacht und wie ein Spanferkel im Feuer gedreht. Auch die anderen Kandidaten leben wahrscheinlich nicht ohne Vormund.

Klar, dass dieses Format unterhalten will, aber Witze auf Kosten von Behinderten? Nein, das macht man irgendwie nicht.

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Neue Vaterfigur

Von bfrenkel am 18 März 2010     

Ich lass meine Tochter jeden Tag dreissig Minuten Fernsehen gucken. Eine halbe Stunde finde ich vertretbar. Sie ist dann immer ruhig und lässt sich an-und ausziehen.

Manchmal schaue ich mit, häufg aber lese ich Zeitung. In letzter Zeit fällt mir aber auf, dass sehr viele Sendungen ein falsches Vaterbild  transportieren. Im Zeichentrickfilm “Bali”, in “Kleiner, roter Traktor” und in vielen anderen Sendungen  kommt der Vater, bzw. der Mann als Warmduscher vor, der immer verständnisvoll lächelt.

Zum Beispiel “Bali”. Der Junge hat einmal das ganze Badezimmer unter Wasser gesetzt. Vater Bali kommt rein und lacht. Oder: Bali ist langweilig. Sein Vater arbeitet konzentriert am Schreibtisch. “Och, Papi, mir ist langweilig!”. Vater Bali lacht und rennt  mit ihm die Stockwerke rauf und runter. Nicht besser steht es um “der kleine rote Traktor”. Der Traktorbesitzer heisst Jan und liebt seinen Traktor wie ein Kind.  Jan organisiert für den Traktor eine Geburtstagsparty und ist Bali-Vater verblüffend ähnlich. So geht es in allen modernen Kindersendungen, die eine Vaterfigur haben.

Diese Entwicklung ist aber nicht gut. Die Kinder sollen ruhig Väter sehen, die arbeiten müssen und nicht für jeden Kinder-Scheiss zu haben sind. Klar, prügelnde Väter müssen auch nicht im Kinderprogramm laufen. Aber etwas zwischen saufende Väter und feminisierter Ehepartner sollte es schon geben.

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Tele Züri – Benno Kälin

Von bfrenkel am 9 März 2010     

Benno Kälin, VJ-Veteran, ist momentan in München stationiert. Er berichtet dort über den Prozess der drei angeklagten Jugendlichen. Kälin ist gelernter Typograf und schon so lange bei Tele Züri, dass er wahrscheinlich auswählen darf, wo er hingehen will.

Wäre Kälin ein Akronym, dann wäre sein zweiter Familienname WYSIWYG. Das steht für  What You See Is What You Get (Was du siehst, ist was du bekommst). Kälin (sprich Chälin) schneidet nämlich nur Pressekonferenzen zusammen und beteuert in den bisherigen Sendungen jedesmal, “dass nichts von der Verhandlung durchsickert”. Also scheint er auch keine besonderen Anstrengungen zu unternehmen, hinter die Kulissen zu blicken. 

Warum ist so jemand dann extra nach München geflogen? Ganz einfach: Bei Tele Züri bedeutet Journalismus bei Pressekonferenzen das Tele Züri-Mikrophon sichtbar auf den Tisch zu stellen. Gleiches sah man dann ein bisschen später beim Bericht über den Entscheid einer UBS-PUK. Erika Forster erklärte kurz ihre Absage an einer PUK. Keine einzige Nachfrage, kein kurzer Kommentar zu diesem doch interessanten Beschluss.

Wenn Tele Züri schon mal das Glück hat, pro Tag nur etwa 25 Minuten redaktionelle Arbeit zu leisten, dann wäre es vielleicht erstrebenswerter, nur zwei, drei News zu bringen, die aber wirklich etwas hergeben.

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Desperate Housewives

Von bfrenkel am 24 Februar 2010     

Es ist so eine Sache mit uns Männern: Wie viel dürfen wir zugeben, ohne gleich als Mannweib verspottet zu werden? Dürfen wir Kuscheln mögen? Darf man als Mann die Badewanne der Dusche vorziehen? Wie viel Kosmetik ist uns erlaubt?

Besonders einschneidend ist es mit dem Medium Kino/Fernseher. Ich zum Beispiel hasse es, im Kino neben einer Frau zu sitzen, wenn ein Actionfilm gezeigt wird. Einen Fussballmatch mit einer Frau anzuschauen ist noch schlimmer.

Desperate Housewives liebe ich aber! Ich weiss, eigentlich dürfen diese Serie nur Frauen angucken. Aber die Dialoge sind einfach grandios! Ich kenne keinen Film, wo ich innerhalb dreissig Minuten lachen und weinen muss! Ich sitze dabei neben meiner Frau. In den Werbepausen frage ich sie dann immer, ob ich auch so ein Arschloch wie der Schauspieler sei. Und sie fragt mich, welcher der vier Frauentypen ihr am ähnlichsten sei.

Was mich ein bisschen stört, was man vielleicht noch machen könnte: Untertitel für Männer. Erstens schnattern die Frauen viel zu schnell und zweitens verstehe ich nicht immer alles, was da geplappert wird.

Toll!

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Igor Zilincan oder “Das Heldenepos”

Von bfrenkel am 8 Februar 2010     

Es ist der Traum eines jeden Journalisten: Inmitten von Kugelhagel eine nüchterne Reportage abzuliefern. Als ich einmal beim Tages-Anzeiger gearbeitet habe, sollte ich Fotos von der 1.Mai-(Nach-)Demonstration schiessen. Ich machte dann ein paar unscharfe Aufnahmen aus der sicheren Entfernung.

Igor Zilincan, ein junger VJ von Tele Züri, ist da etwas mutiger. Als eine aufgebrachte Herde wütender Menschen Zürcher Geschäfte demolierte, griff Zilincan (während seiner Freizeit) zur Kamera. Dabei wurde er angerempelt:   Mit der Kamera in der Hand und der Tasche auf dem Rücken hatte Zilincan es schwer, den Angriff zu parieren. «Als Video-Journalist ist man sehr exponiert. Man sieht nicht, was von der Seite und was von hinten kommt», erklärt Zilincan. (Tages-Anzeiger Online).

Die Blessuren werden inzwischen wieder verheilt sein. Igors Auftritt im “Talk Täglich” verhalf sicher zusätzlich zur Remedur. Tele Züri muss sich aber wiederholt fragen, ob sie sich darauf konzentrieren will, Erlebnisberichte als höchste Form des Journalismus zu erheben.

Während in anderen Medien die – überblickbaren – Verwüstungen zu Recht kein allzu grosses Forum erhielten, wurde bei Tele Züri einmal mehr das Chaos gefeiert. Und weil einer der ihrigen eins auf die Rübe bekam, wird das Thema auf dem Zürcher Lokalsender wahrscheinlich noch lange durchgekaut.

Mit Journalismus hat das aber nichts zu tun.

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Arte vs Sandmann

Von bfrenkel am 30 Januar 2010     

Wer Kinder hat, hegt ambivalente Gefühle  zum Fernsehen. Einerseits ist die Mattscheibe der beste Babysitter den es gibt, andererseits will man den Kindern ja auch die echte Welt näher bringen.

Wir haben eine zweijährige Tochter. Nach langem Hin und Her haben wir uns für den Sandmann auf KiKa entschieden. Die Sendung ist fast ideal für Kinder. Der noch aus der DDR stammende Sandmann rundet eine fünfminutige Kurzsendung ab. Höhepunkt ist jeweils der Abendgruss und das Verstreuen des Schlafsandes. Ein Einschlafen ohne Sandmann ist bei unserer Tochter mittlerweile nicht mehr vorstellbar. Ähnlich geht es anderen Familien.

Arte löst den Kinderkanal um etwa 19:00 ab. Dieses “etwa” hat in der letzten Zeit kleine Katastrophen ausgelöst: Einmal in jeder Woche klemmt der Kulturkanal den Sandmann ab. Mal sind es nur ein paar Sekunden, mal zwei Minuten und heute waren es fünf Minuten. Unsere Tochter- und wahrscheinlich Tausende andere Kinder – standen fassungslos vor dem Bildschirm. Dort plapperte ein Anchorman das Arte-Programm vor.

Gewiss, Akademiker zählen hierzulande weniger zu den Familiengründer. Das Zielpublikum von Arte kann das Sandmann-Problem nicht ganz nachvollziehen. Doch so ist es. Arte: Lasst den Sandmann zu Ende reden!

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ZSC-Stadion

Von bfrenkel am 25 Januar 2010     

Wenn es menschelt, ist eine Kamera von Tele Züri nie weit entfernt. Aber zuerst zu den Fakten: Gerold Lauber und Kathrin Martelli haben an einer Pressekonferenz den Entscheid für den neuen Standort des neues Eishockey-Stadions bekannt gegeben. Es soll in Altstetten zwischen Autobahn und SBB-Geleisen liegen.

Phillipe Schmuki, Sport-Chef des Senders, ist während der PK anwesend. Die zwei Gesichter, die er kennt, dürfen ins Mikrofon plappern: Lauber und Martelli. Für einen Journalisten eigentlich kein schlechter Moment, ein, zwei Fragen zu stellen: Umzonung, mögliche Rekurse, Finanzierung, fehlende Infrastruktur in der Umgebung etc. Schmuki hält davon nichts. Wie immer hält er das Mikrophon in der waagrechten Haltung und spricht in Ausrufezeichen.

Der eigentliche Aufhänger der Berichterstattung ist aber der Besuch bei den Schrebergärtnern. Die sind nämlich traurig, dass ihre Gärten verschwinden sollen. Jetzt endlich dampfte es nach Tele Züri. Denn egal, was passiert, bei Tele Züri darf man 100 Franken darauf wetten, dass eine Frau mit Rehaugen die “andere Seite” porträtiert.

Tele Züri muss aber aufpassen, dass er nicht wie der Radiosender Energy endet: Vor lauter Berechenbarkeit und Gefühlsduselei unkenntlich werden.

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A380 auf Tele Züri

Von bfrenkel am 20 Januar 2010     

Guter Journalismus gleicht einer alten Flasche Wein: süffig mit etwas Bodensatz. Wie das Gegenteil aussehen kann, zeigte uns heute Tele Züri mit seiner Reportage über die erste Landung eines Airbus A380 auf dem Flughafen Zürich.

Tele Züri bietet jeden Tag etwa 50 Minuten redaktionelle Aufarbeitung. Heute wurden 35 Minuten der Ankunft des A380 gewidmet. Auch hier gilt der Vergleich mit der Weinflasche: Manche werden schon nach einem Glas betrunken. Die Ankunft des Riesenvogels stellte auf der Redaktion sämtliche Nebenschauplätze in den Schatten.

Es ist klar, dass die Landung eines Riesenflugzeuges höchst telegen ist. Schade, dass sämtliche Journalisten in Jubelstimmung gerieten und keine einzige kritische Frage stellten: Lieferungsschwierigkeiten bei EADS, Marktsituation von Singapure Airlines, Rentabilität des Hubs (werden wirklich 800 Passagiere nach Singapur einchecken?).

Nein, Tele Züri hat den Fernseh-Journalismus längst umgedeutet: Schöne Bilder mit halbinfantiler Berichterstattung. Die Menschenmassen vor dem Airbus, die Kommentare der Off-Stimme, die Interview-Partner; all das wirkte auf den unbeteiligten Zuschauer wie eine Sendung über eine Erotik-Messe. Gewiss, man darf überwältigt sein von den Ausmassen des Flugzeuges und es darf auch ein Jugendlicher gefilmt werden, der mit halboffenem Mund dem A380 nachschaut.

Das passt hervorragend in eine Publireportage. Nachhaken, Fragen stellen, eine andere Meinung bringen – das würde dann in eine journalistische Reportage passen.

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Schlagwörter: A380, airport, fernsehen, Flughafen, Journalismus, kritik, Medien, telezueri, Zürich
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Tele Züri – Vorwort

Von bfrenkel am 17 Januar 2010     

Seit etwa 16 Jahren schaue ich Tele Züri an. Das Interessanteste an diesem Privatsender ist, dass er in den ersten Jahren cool, dann langweilig und heute peinlich geworden ist. Diese drei Aggregatszustände in einer solch kurzen Frist zu erreichen, das schaffen nur die wenigsten Medien. Es gibt verschiedene Gründe, warum Tele Züri seine Attraktivität verloren hat. Der grösste Fehler liegt sicher in der Saturiertheit seiner Macher. Wohl kein anderer Sender hat in sechzehn Jahren sein Programm so wenig geändert wie der kleine Lokalsender. Das erstaunt. Betrachtet man nämlich die ersten Jahre von Tele Züri, so fällt vor allem auf, wie innovativ die kleine Mannschaft experimentierte. So folgten Schlag auf Schlag Quizsendungen, Erotik und Schweizer Spielfilme. Dieser Elan ist leider vollständig verloren gegangen. Die Sendungen, die aktuell laufen, gibt es schon seit 16 Jahren. Der zweite Grund liegt in der Scheu vor Kontroverse. Die ”News” sind entweder verfilmte Agenturmeldungen oder naive Recherchen, die wenig Neues hervorbringen. Die Verantwortlichen werden es nicht gerne hören: Zu Zeiten von Roger Schawinski glänzte der Sender durch seinen Mut und neue Denkrichtungen. “Talk Täglich” und “Sonn Talk” haben seit seinem Abgang massiv an Substanz verloren. Für die Wandlung von Fragestellung zu Blasiertheit, steht Markus Gilli exemplarisch da. Früher war er der sympathische Frager, heute der selbstverliebte und denkfaule Scheinmatador. Wir haben zu Beginn gesagt, dass Tele Züri einst cool war und heute nur noch peinlich ist. Dafür steht “Swissdate”. Entschuldigung, aber früher waren die Kandidaten und sogar die Zuschauer geil, heute sind sie im besten Fall medioker. Auch das “Casting” hat nichts gebracht. Wir wollen diesen Sender begleiten und zweimal in der Woche auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen.

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Schlagwörter: benifrenkel, fernsehen, gilli, kritik, lokalfernsehen, schawinski, sonntalk, swissdate, talktaeglich, telezueri, tv, vorwort, zuerich
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Jetzt wird’s kritisch – mit Beni Frenkel

Von Matthias Göbel am 11 Januar 2010     

Wir freuen uns sehr über den mattschiibe-Familien Zuwachs: Ab sofort wird Beni Frenkel für uns bloggen und uns mit TV-Kritik versorgen. Er schrieb schon für «NZZ Folio», «NZZ am Sonntag» und auch für «Das Magazin».  Speziell für ihn wurde der http://zueri.mattschiibe.ch Blog kreiert. Wir wünschen ihm und uns viel Freude und einen nie versiegenden Buchstaben-Strom.

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